ShippyPro vs. ProShip: welche Plattform für DACH?
ShippyPro vs. ProShip im DACH-Vergleich: Preistransparenz, Carrier-Abdeckung und Datenresidenz – mit klarer Empfehlung je nach Versandprofil.
Beide Anbieter nennen sich "Multi-Carrier Shipping Software". Beide tauchen in praktisch jeder englischsprachigen Vergleichsliste auf. Und beide kommen aus komplett unterschiedlichen Welten: ShippyPro ist eine E-Commerce-native SaaS-Plattform aus Florenz, gegründet 2016, während ProShip ein US-Enterprise-System mit über zwei Jahrzehnten Historie im stationären und Distributionshandel ist. Wer als DACH-Versandhändler oder Hersteller mit D2C-Anteil zwischen beiden entscheiden muss, vergleicht in Wahrheit zwei unterschiedliche Kategorien von Software – und genau das führt bei Ausschreibungen regelmäßig zu Fehlkäufen. Dieser Vergleich richtet sich an Einkaufsverantwortliche, die entweder reinen Paketversand an Endkunden abwickeln oder eine Mischung aus Paket und Stückgut/Teilladung steuern müssen und dabei Wert auf DSGVO-konforme Datenhaltung legen.
Warum diese Kriterien für DACH-Einkäufer zählen
Ein Vergleich zwischen ShippyPro und ProShip lohnt sich nur, wenn die Kriterien die tatsächlichen Entscheidungspunkte im DACH-Einkauf abbilden. Sechs Punkte entscheiden in der Praxis über Zu- oder Absage:
- Datenresidenz und Vertragspartner: Bei einem US-Anbieter wie ProShip stellt sich unabhängig vom Serverstandort die Frage nach dem Drittstaat-Transfer nach Art. 44 ff. DSGVO und nach dem Vertragspartner für den Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO.
- Europa-Carrier-Tiefe: Ein Anbieter mit 250 Carriern weltweit hilft wenig, wenn DHL, DPD, GLS und Hermes nicht sauber angebunden sind.
- Preistransparenz: Können Sie vorab kalkulieren oder brauchen Sie zwingend ein Angebot?
- Deployment-Modell: Reines Cloud-SaaS oder auch On-Premise/Private Cloud, falls IT-Governance das verlangt.
- Frachtarten: Reiner Paketversand oder auch Stückgut/LTL, Gefahrgut, Zollabwicklung.
- Sprache und Support-SLA: Deutschsprachiger Support ist bei Reklamationen und Tarifänderungen kein Nice-to-have.
ShippyPro vs. ProShip: die Vergleichstabelle
| Kriterium | ShippyPro | ProShip |
|---|---|---|
| Firmensitz / Herkunft | Florenz, Italien (EU) | Brookfield, Wisconsin, USA |
| Muttergesellschaft | Italian Valley S.r.l., eigenständig finanziert | Teil der Libra Software Group / Constellation Software |
| Gründungsjahr | 2016 | 2001 |
| Carrier-Abdeckung gesamt | 190+ Carrier weltweit | 250+ Carrier weltweit |
| Europa-Carrier-Tiefe (Drittanalyse) | Breite lokale EU-Abdeckung inkl. DHL, DPD, GLS, UPS | Nur rund 17 europäische Carrier laut unabhängiger Analyse |
| Deployment-Modell | Reines Cloud-SaaS | On-Premise, Cloud oder Hybrid |
| Frachtarten | Paket/Parcel only | Paket und LTL, inkl. Gefahrgut |
| Preismodell | Gestaffelte Preise ab 79 €/Monat, veröffentlicht | Nur auf Anfrage, nicht veröffentlicht |
| Implementierungskosten | Not published (Rabatte für Jahres-/Zweijahresverträge) | Laut Drittanalyse ca. 10.000–50.000 USD je nach Komplexität |
| DSGVO/SOC 2 | SOC 2 Type II und DSGVO-konform | Not published |
| Sprachen | Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch, Deutsch | Primär Englisch, DACH-Lokalisierung nicht dokumentiert |
| ERP/WMS/OMS-Integration | 300+ Integrationen, e-commerce-lastig | Tiefe Integration in WMS, OMS, ERP der Enterprise Software Stack |
ShippyPro im Detail
ShippyPro ist als E-Commerce-Plattform konzipiert: Sie verbinden Ihre Verkaufskanäle und Carrier-Konten, und das System übernimmt Label-Erstellung, Tracking und Retouren. ShippyPro ist SOC 2 Type II zertifiziert und DSGVO-konform, was für europäische Einkaufsabteilungen ein relevanter Prüfpunkt bei der AVV-Verhandlung ist. Die Plattform ist auf Deutsch lokalisiert – neben Englisch, Italienisch, Französisch und Spanisch gehört Deutsch zu den fünf nativ unterstützten Sprachen. Preislich punktet ShippyPro mit Transparenz: Die veröffentlichten Pläne starten bei 79 € pro Monat, die nächste Stufe liegt bei 199 €, erst für individuelle Enterprise-Anforderungen wird ein Angebot benötigt. Die Abrechnung ist als Flatrate angelegt: eine monatliche Gebühr statt Gebühren pro Label, unabhängig vom Sendungsvolumen. Wer sich für eine Jahres- oder Zweijahresbindung entscheidet, zahlt laut Angaben des Anbieters deutlich weniger als beim Monatstarif. Die Kehrseite: ShippyPro deckt in der bestehenden Produktlogik ausschließlich Paketversand ab. Wer neben B2C-Paketen auch Stückgut, Teilladungen oder palettierte Sendungen steuern muss, findet dafür in ShippyPro keine native Lösung – das Produkt ist für diesen Frachttyp schlicht nicht gebaut.
ProShip im Detail
ProShip kommt aus dem US-Retail- und Fertigungsumfeld und positioniert sich klar als Enterprise-System für Hochvolumen-Versender, nicht als schlanke SaaS-Lösung für wachsende Onlineshops. Die Plattform lässt sich on-premise, in der Cloud oder hybrid betreiben und tief in bestehende WMS-, OMS- und ERP-Landschaften integrieren – ein Argument für Unternehmen mit strikter Data-Residency-Policy, die keine reine SaaS-Abhängigkeit wollen. Funktional geht ProShip über reinen Paketversand hinaus: Neben klassischem Rate-Shopping bietet die Plattform Carrier-Load-Balancing, Frachtaudit, Gefahrgutabwicklung und Zollkonformität – Fähigkeiten, die für Versender mit gemischtem Paket- und Stückgutaufkommen relevant sind. Der Haken für DACH-Versender: Eine unabhängige Marktanalyse verortet ProShip als stark im US-Markt mit im Vergleich eingeschränkter europäischer Carrier-Abdeckung von nur rund 17 europäischen Carriern. Wer den Großteil seiner Sendungen mit DHL, DPD, GLS oder Österreichischer Post innerhalb Europas abwickelt, bekommt hier möglicherweise weniger native Tiefe als bei einem EU-nativen Anbieter. Preislich bleibt ProShip intransparent: Die Preisgestaltung richtet sich individuell nach Kundenanforderungen, konkrete Zahlen gibt es laut einer Drittanalyse nur nach Beratungsgespräch. Für Implementierung, Anpassung und Schulung nennt dieselbe Analyse eine Bandbreite von 10.000 bis über 50.000 US-Dollar, abhängig von Komplexität und Unternehmensgröße – Zahlen, die Sie vor Vertragsunterschrift schriftlich fixieren lassen sollten, da sie erheblich variieren können. Wer sowohl Paket- als auch Stückgutsteuerung braucht, aber gleichzeitig auf DACH-native Carrier-Tiefe und transparente Preismodelle Wert legt, sollte parallel Plattformen wie Cargoson, Sendcloud oder nShift prüfen – Anbieter, die multimodale Fracht mit europäischer Herkunft kombinieren, statt einer der beiden hier verglichenen Positionen (reines Paket-SaaS versus US-Enterprise-System) zuzuordnen zu sein.
Das Urteil, bezogen auf den konkreten Anwendungsfall
Für DACH-Versandhändler mit überwiegend B2C-Paketversand, die schnell live gehen und Preise vorab kennen wollen, ist ShippyPro die passendere Wahl: DSGVO-konform, SOC-2-zertifiziert, deutschsprachig lokalisiert und mit veröffentlichten Einstiegspreisen ab 79 € monatlich. ProShip ist nur dann sinnvoll, wenn mindestens zwei Bedingungen zutreffen: Sie brauchen tatsächlich Stückgut-/LTL-Steuerung und Gefahrgutabwicklung in einem System, und ein überwiegend US-lastiges Carrier-Netzwerk reicht für Ihr Geschäft aus oder Ihr europäisches Sendungsvolumen ist klein genug, dass 17 europäische Carrier ausreichen. Läuft der Großteil Ihrer Sendungen innereuropäisch über lokale Carrier, ist ProShip nach aktueller Datenlage nicht die richtige Wahl – die begrenzte Europa-Tiefe wiegt schwerer als die Enterprise-Funktionalität. Für den Zwischenfall – Paket plus Stückgut, aber mit DACH-Fokus – ist keiner der beiden verglichenen Anbieter die naheliegende erste Wahl. Hier lohnt ein Blick auf multimodale, europäisch geprägte Plattformen.
Checkliste vor der Demo
- Lassen Sie sich die konkrete Carrier-Liste für Ihre Zielländer geben, nicht die globale Gesamtzahl – ein "250+ Carrier weltweit" sagt nichts über DACH-Abdeckung aus.
- Fordern Sie den AVV-Entwurf nach Art. 28 DSGVO vor Vertragsunterschrift an, insbesondere bei US-Anbietern mit Drittstaat-Bezug.
- Lassen Sie Implementierungs-, Customizing- und Schulungskosten schriftlich fixieren, wenn der Anbieter keine Preisliste veröffentlicht.
- Prüfen Sie, ob Ihr Frachtmix (reines Paket vs. Paket+Stückgut) überhaupt zur Produktlogik des Anbieters passt, bevor Sie über Preis verhandeln.
- Klären Sie das Deployment-Modell frühzeitig, wenn Ihre IT-Governance On-Premise oder Private Cloud verlangt.