LSVA-III-Daten ins TMS integrieren: 6 Schritte
LSVA-III-Fahrleistungsdaten korrekt ins TMS einbinden: Anbieterwahl, Schnittstelle, Kostenzuordnung und GoBD-Archivierung in sechs Schritten erklärt.
Wer heute noch mit Emotach plant, plant mit einem System, das es nicht mehr gibt. Seit dem 1. Januar 2026 läuft die Schweizer Schwerverkehrsabgabe ausschließlich über LSVA III, seitdem das alte LSVA-II-System vollständig ersetzt wurde und alle Halter von Nutzfahrzeugen über 3,5 Tonnen ihre Fahrleistungsdaten elektronisch erfassen und ans BAZG übermitteln müssen. Für Speditionen und Verlader mit regelmäßigem Schweiz-Verkehr heißt das: Die Mautdaten kommen nicht mehr aus einem einzigen Bundesgerät, sondern von einem selbst gewählten Provider, und dieser Datenstrom muss sauber, prüfbar und GoBD-konform im TMS landen. Diese Anleitung zeigt, wie Sie LSVA-III-Fahrleistungsdaten von NETS- oder EETS-Anbietern technisch und prozessual in Ihr Transportmanagementsystem integrieren, von der ePortal-Registrierung bis zur Kostenzuordnung pro Tour.
Warum LSVA III jetzt jedes TMS mit Schweiz-Verkehr betrifft
Der Grund ist ein Systemwechsel, kein reines Software-Update. Das BAZG verfolgt das Ziel, weg von starren, gerätebasierten Erfassungssystemen hin zu flexiblen, serviceorientierten Lösungen zu kommen, und verlangt seit 2026 zertifizierte Anbieter, die Fahrleistungsdaten automatisiert, lückenlos und in Echtzeit übermitteln. Der Bund definiert nur noch, welche Daten in welcher Qualität geliefert werden müssen, die eigentliche Erfassung übernehmen private Provider mit eigener Hardware und Software.
Für Kaufentscheider im TMS-Umfeld bedeutet das: Ihr Kostenmodul muss künftig Daten aus einer providerabhängigen Quelle statt aus einem einheitlichen Bundesgerät verarbeiten. Ohne Anpassung entsteht eine manuelle Nachpflege, die bei größeren Flotten schnell mehrere Personentage pro Monat kostet und Fehler bei der Frachtkalkulation begünstigt.
Das brauchen Sie vor dem Start
Bevor Sie an der TMS-Schnittstelle arbeiten, müssen vier organisatorische Punkte geklärt sein. Ohne sie läuft keine technische Integration.
- Registrierung als Geschäftspartner mit der Rolle „LSVA-Halter" im ePortal des Bundes. Diese Registrierung im ePortal mit der Geschäftspartnerrolle „LSVA-Halter" ist die zwingende Voraussetzung für alles Weitere.
- Vollständige Immatrikulationsdaten aller Fahrzeuge, inklusive Gewichtsklasse und Emissionskategorie, da diese Werte direkt in die Abgabenberechnung einfließen.
- Eine Entscheidung NETS oder EETS je nach Auslandsanteil der Flotte, denn die Registrierung erfolgt mit korrekten Angaben zu Gewichtsklasse, Emissionskategorie und Einsatzprofil, wobei NETS für nationale Fahrten und EETS für grenzüberschreitende Transporte vorgesehen ist.
- Bei ausländisch immatrikulierten Fahrzeugen eine separate Vorregistrierung: Halter ausländischer Fahrzeuge müssen sich bei der Wahl eines NETS-Anbieters vorgängig als Geschäftspartner mit der Rolle „LSVA-Halter" im ePortal registrieren, erst danach kann das Fahrzeug im ePortal unter „NETS – Ausländische Fahrzeuge" erfasst werden.
Technisch brauchen Sie außerdem Klarheit darüber, ob Ihr gewählter Provider eine API, einen CSV-Export oder nur ein Web-Portal ohne Schnittstelle anbietet. Das entscheidet, wie viel manuelle Arbeit später im TMS-Kostenmodul anfällt.
LSVA-III-Daten in sechs Schritten ins TMS integrieren
Die folgenden Schritte bauen aufeinander auf. Rechnen Sie für die komplette Umsetzung, inklusive Providerwechsel und erstem Testmonat, mit vier bis acht Wochen, abhängig von Flottengröße und vorhandener TMS-Integrationsschicht.
- Anbieter mit Softwareschnittstelle auswählen. NATRAS AG ist vom BAZG für die gesetzlich festgelegte nationale Grundversorgung beauftragt und stellt allen interessierten Fahrzeughaltern gratis ein automatisiertes Erfassungssystem zur Verfügung, das den vorgegebenen Standard abdeckt, aber nicht auf Sonderwünsche einzelner Halter eingehen darf. Für eine TMS-Integration reicht das selten aus, da NATRAS keine Auswertungsschnittstelle für Drittsysteme liefert. Zugelassene NETS-Anbieter wie EPS mit tranSvias oder ax-road/Mobatime bieten dagegen kostenpflichtige Zusatzfunktionen und Schnittstellen zu Fuhrpark- und Logistiksoftware. Für multinationale Flotten kommt ein EETS-Anbieter infrage, der ein Gerät für mehrere europäische Mautsysteme bündelt, allerdings mit Einschränkung: EETS kann im Gegensatz zu NETS nicht alle Schweiz-spezifischen Ausprägungen abdecken, etwa bei befreiten Anhängerkombinationen. Prüfen Sie deshalb vor Vertragsabschluss konkret, ob Ihr Auslandsanteil einen EETS-Vertrag rechtfertigt oder ob ein NETS-Anbieter mit ERP-Anbindung ausreicht.
- Erfassungsgerät im Fahrzeug aktivieren. Anders als beim alten Emotach ist kein Werkstattbesuch mehr nötig. Die neuen Erfassungsgeräte können selbst eingebaut werden, ein Werkstattbesuch ist nicht mehr erforderlich. Achten Sie bei wechselnden Anhängerkonfigurationen auf die Art der Zuordnung: Manche Provider erkennen den Anhänger automatisch über eine Beacon-Lösung, bei anderen muss der Fahrer das Gewicht manuell eingeben. Das ist kein Nebendetail, denn die LSVA-Berechnung basiert auf der Kombination von Zugfahrzeug- und Anhängergewicht, und bei Flotten mit wechselnden Anhängerkonfigurationen entsteht administrativer Aufwand, wenn die Zuordnung manuell erfolgen muss.
- Datenexport oder API mit dem TMS koppeln. Fahrleistungsdaten laufen vom Erfassungsgerät zum Provider und von dort digital ans BAZG zur Berechnung der Abgabe. Für die TMS-Integration brauchen Sie den Zugriff auf diesen Datenstrom vor oder parallel zur BAZG-Übermittlung, üblicherweise per Provider-API oder per CSV/SFTP-Export, geschlüsselt über Fahrzeugkennzeichen oder Fahrzeug-ID. Anbieter wie tranSvias werben damit, dass LSVA-Erfassung und Tracking vollständig in die bestehende IT-Landschaft, etwa das ERP, integriert sind und keine isolierten Zusatzsysteme notwendig sind. Klären Sie vor Vertragsunterschrift, in welchem Format (JSON, CSV, EDI) und in welcher Taktung (täglich, wöchentlich) der Export erfolgt, sonst bauen Sie eine Schnittstelle, die später nicht zum TMS-Kostenmodul passt.
- Kostenzuordnung im TMS je Auftrag und Tour einrichten. Das Fahrzeugkennzeichen oder die Fahrzeug-ID ist der Schlüssel, über den der LSVA-Datensatz mit der Tour im TMS verknüpft wird. Ohne dieses Mapping bleiben Mautkosten eine Sammelposition auf Flottenebene statt einer nachvollziehbaren Zeile pro Tour. Plattformen für Transportation Spend Management wie Cargoson, Transporeon, Alpega oder MercuryGate bilden diese Zuordnung im Kostenmodul ab, sodass die LSVA-Position automatisch in die Frachtkostenkalkulation und die Weiterberechnung an Kunden auf Schweiz-Relationen einfließt.
- GoBD-konforme Archivierung der LSVA-Belege einrichten. Registrierte Fahrzeughalter können ihre LSVA-Veranlagungen und Rechnungen selbstständig im ePortal abrufen. Diese Belege müssen Sie revisionssicher und maschinell auswertbar mit der zugehörigen Frachtrechnung verknüpfen, nicht nur als PDF-Ablage. Richten Sie einen automatisierten Abruf oder mindestens einen monatlichen manuellen Export aus dem ePortal ein und verknüpfen Sie jede Verfügung im Dokumentenmanagement mit der betroffenen Tour-ID im TMS.
- Test, Abnahme und Monitoring aufsetzen. Erfolgskriterium ist ein Soll-Ist-Abgleich: Der im TMS ausgewiesene LSVA-Betrag pro Fahrzeug und Monat muss mit der BAZG-Verfügung im ePortal übereinstimmen. Bauen Sie ein Dashboard, das den Übertragungsstatus je Fahrzeug zeigt, bevor Sie die Schnittstelle produktiv schalten. Erst nach zwei bis drei fehlerfreien Abrechnungsmonaten sollten Sie die manuelle Parallelprüfung einstellen.
Provider im Vergleich für die TMS-Anbindung
| Anbieter | Typ | Softwareschnittstelle | Besonderheit für DACH-Flotten |
|---|---|---|---|
| NATRAS AG | Nationaler NETS-Grundversorger | Keine Drittsystem-API, nur Basiserfassung | Kostenlos, aber Anhängergewicht manuell durch Fahrer einzugeben |
| tranSvias (EPS) | Zugelassener NETS-Anbieter | ERP-Integration, modulare Anbindung | Automatische Anhängererkennung und Vehicle Tracking ab CHF 4 pro Fahrzeug und Monat |
| ax-road (Mobatime) | Zugelassener NETS-Anbieter | Fuhrparkplattform mit Remote-Download | Kommunikationseinheit MT FMC65x in Kombination mit MT EYE Beacon ermöglicht automatische Anhängererkennung |
| vialo / traceon | NETS-Anbieter | Cloudbasierte Auswertung, Nicht standardisiert je Anbieter | Nicht published einheitliches API-Format, im Einzelfall prüfen |
| EETS-Anbieter (allgemein) | Europäischer Mautdienst | Ein Gerät für mehrere Länder | Deckt Schweiz-Sonderfälle wie befreite Anhänger nicht vollständig ab |
Fehlerfall: Datenlücken und falsche Gewichtszuordnung
Der häufigste Fehler in der Praxis ist keine Softwarepanne, sondern eine falsche oder fehlende Anhängerzuordnung. Wenn das Erfassungsgerät ausfällt, das GPS-Signal lückenhaft ist oder die Fahrzeugkonfiguration nicht korrekt hinterlegt wurde, entstehen Datenlücken, die vor der Übermittlung ans BAZG korrigiert werden müssen. Fehlende, fehlerhafte oder verspätete Datenübermittlung führt zu Sanktionen, administrativen Mehraufwand und Glaubwürdigkeitsverlust bei Audits.
Für ausländische Fahrzeuge ohne funktionierendes Erfassungssystem gibt es eine Rückfallebene: im Ausland immatrikulierte Fahrzeuge, die nicht mit einem fahrzeugseitigen automatisierten Erfassungssystem ausgerüstet sind, können die gefahrenen Kilometer manuell ermitteln. Das ist keine Dauerlösung, sondern eine Übergangsoption, die Sie im TMS als Sonderfall kennzeichnen sollten, damit die Kostenzuordnung nicht auf ungeprüften Werten basiert.
Bauen Sie in Ihre Schnittstelle eine Plausibilitätsprüfung vor der Übermittlung ein: Vergleichen Sie die vom Provider gemeldeten Kilometer mit den GPS-Daten aus Ihrem eigenen Flottenmanagement oder Tourenplan. Größere Abweichungen deuten fast immer auf eine falsche Anhängerzuordnung hin, nicht auf einen Systemfehler.
Fazit: Checkliste für Ihren Einstieg
Bevor Sie das Projekt starten, prüfen Sie diese fünf Punkte:
- ePortal-Status: Sind alle Fahrzeuge als „LSVA-Halter" registriert, inklusive ausländischer Fahrzeuge unter „NETS – Ausländische Fahrzeuge"?
- Anbieterwahl: Passt NETS oder EETS zum tatsächlichen Fahrprofil Ihrer Flotte, nicht nur zum günstigsten Angebot?
- Schnittstellentest: Liefert der Provider einen strukturierten Export oder eine API, die Ihr TMS-Kostenmodul verarbeiten kann?
- Kostenmapping: Ist die Fahrzeug-ID als eindeutiger Schlüssel zwischen LSVA-Datensatz und Tour hinterlegt?
- Archivierungsnachweis: Sind Verfügungen und Rechnungen aus dem ePortal revisionssicher mit der Frachtrechnung verknüpft?
Wer diese fünf Punkte vor dem technischen Rollout klärt, spart sich die nachträgliche Korrektur von Kostendaten, die bei einer Betriebsprüfung deutlich teurer wird als der Zeitaufwand für eine saubere Erstintegration.